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Im Islam herrscht die Vorstellung, dass es nur einen Gott gibt. Er sei der Herr, der alles geschaffen habe, dem alles gehöre und dem alle Menschen zu gehorchen haben. Der Koran wird als Gottes Wort verstanden, das durch den Propheten Mohammed den Menschen mitgeteilt wurde. Daraus leiteten die Gelehrten mit der Zeit eine islamische Rechts- und Lebensordnung ab. Viele Muslime verstehen den Koran und die daraus von den Gelehrten abgeleitete Rechts- und Lebensordnung (Scharia) als eine moralische Richtschnur, die den Menschen den richtigen Weg weisen soll. Andere glauben aber, darunter viele Gelehrte, dass Koran und Scharia vollkommen den Willen Gottes widerspiegeln würden. Diesen Willen Gottes umzusetzen, indem man die Regelungen der Scharia auch in der Rechtsprechung übernimmt und anwendet, ist für sie ein Gebot des Glaubens.
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Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte Abul Ala al-Maududi die Vorstellung, dass Gott der alleinige Herr sei, dahingehend weiter, dass er dem Menschen das Recht auf die Ausübung politischer Herrschaft absprach und Gott als höchsten und alleinigen (politischen) Herrscher sehen wollte. Der Mensch würde nur als eine Art "Statthalter" Gottes fungieren. Weil Gottes Herrschaft vollkommen und absolut sei, dürfe der fehlerbehaftete Mensch auch nicht eigene politische Ordnungen wie zum Beispiel die "Herrschaft des Volkes" (Demokratie) entwickeln und anwenden. Dies wird geradezu als eine Auflehnung gegen Gott angesehen. Vollkommen ausgeblendet wird bei dieser Auffassung die Tatsache, das auch die islamische Scharia letztlich durch interpretierendes Bemühen von Menschen zustande gekommen ist und es auch dabei immer wieder zu unterschiedlichen Auffassungen – auch was grundsätzliche Fragen anbetrifft – kam und kommt.
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