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Milli Görüs

Seit 1969/70 wird die Bewegung 'Milli Görüş' von ihrem Gründer, Necmettin Erbakan, geführt und nimmt als Partei an Wahlen in der Türkei teil. In Deutschland und anderen Ländern sammeln sich die Anhänger der 'Milli Görüş' bei der Organisation 'Islamischen Gemeinschaft Milli Görüş' (IGMG). Zu dieser Bewegung gehören unter anderem auch die Tageszeitung 'Milli Gazete', der Fernsehsender 'TV 5' sowie zahlreiche Teil- und Nebenorganisationen.

In ihrer von der 'Muslimbruderschaft' beeinflussten Ideologie geht es darum, durch die "richtige" Umsetzung des Islams Gerechtigkeit, Wohlstand und Glück für alle herzustellen. Andere, von Menschen geschaffene politische Ordnungen, wie die westlichen Demokratien, seien dazu nicht in der Lage. Bei ihnen würden vielmehr die "Starken" die "Schwachen" unterdrücken und ausbeuten, so Erbakan. Deshalb müsse diese ungerechte politische Ordnung überwunden und durch eine gerechte islamische ersetzt werden. Dafür zu kämpfen – in Demokratien allerdings nicht militant – sei die Pflicht eines jeden Muslims. Da 'Milli Görüş' das Sammelbecken und Erbakan der Führer der neuen gerechten islamischen "Zivilisation" sei, müssten sich alle "richtigen" Muslime ihm und seiner Bewegung anschließen.

Die Vorläuferorganisationen der IGMG sind von Anhängern der 'Milli Görüş' gegründet worden und haben die politischen Bestrebungen Erbakans unterstützt. Heute versteht sich die IGMG als Religionsgemeinschaft und bestreitet, die verfassungsfeindliche Ideologie der 'Milli Görüş' zu vertreten. Ihre nach wie vor engen Verbindungen zur politisch aktiven 'Milli Görüş' in der Türkei sind aber nicht zu übersehen. Auch eine antisemitische, also gegen Juden gerichtete Einstellung konnte immer wieder beobachtet werden. Deshalb muss der Versuch der IGMG zurückgewiesen werden, als Ansprechpartner für die Belange von Muslimen von Seiten der Behörden und der Politik akzeptiert zu werden und Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Gesellschaft zu nehmen.

Logo IGMG

 

 

Mit der Abspaltung des sogenannten "Reformflügels" von der 'Milli Görüş' 2001 setzte in der Türkei ein politischer Niedergang der ideologisch orientierten 'Milli Görüş' ein, die seitdem bei den Parlamentswahlen in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Tendenzen, den ideologischen Kurs der 'Milli Görüş' zu verlassen und die Führung durch Necmettin Erbakan zu lockern, sind spätestens seit dieser Zeit auch bei der IGMG in Deutschland zu beobachten. Sie waren zunächst eher zaghaft, scheinen sich aber Im Laufe der Zeit zu verstärken.

 
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