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Vor mehr als 40 Jahren begann mit der Anwerbung von so genannten "Gastarbeitern" aus der Türkei die Einwanderung einer größeren Zahl von Muslimen nach Nordrhein-Westfalen. Zuvor lebten hier nur einzelne Muslime, oft Studenten, Geschäftsleute oder Akademiker. Auch nach dem Ende der aktiven Anwerbung Anfang der 1970er Jahre hielt die Zuwanderung von Muslimen weiterhin an. So sind viele Muslime beispielsweise nach dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien vor Krieg und Gewalt hierher geflohen. Hinzu kommen in zunehmender Zahl auch Deutsche, die den Islam als Glauben angenommen haben (Konvertiten). In Nordrhein-Westfalen leben zurzeit etwa eine Million Muslime. Sie kommen aus unterschiedlichen Regionen, vor allem aus der Türkei, vom Balkan, aus Nordafrika und dem Nahen und Mittleren Osten. Die weitaus größte Zahl der nordrhein-westfälischen Muslime hat türkische Wurzeln, und lebt bereits in der zweiten oder dritten Generation hier. Ein erheblicher Teil von ihnen betrachtet Deutschland bzw. Nordrhein-Westfalen als seine Heimat und nicht wenige besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit. Die nordrhein-westfälischen Muslime sind keine einheitliche Gruppe, weder in religiöser, ethnischer oder soziologischer Hinsicht noch im Hinblick auf ihre politische, gesellschaftliche oder kulturelle Orientierung. Vorurteile und Frontenbildung, wie sie beim Thema Islam immer wieder anklingen, werden daher der Vielschichtigkeit der Realität nicht gerecht. Muslime haben allgemein die gleichen Interessen, Hoffnungen und Erwartungen in ihrem Leben wie alle anderen Menschen auch. Sie möchten in erster Linie Zufriedenheit, Gesundheit und Glück für sich und ihre Familien. Sie sind Nachbarn, Kollegen, Sportsfreunde, Ehemänner und -frauen in unserem Land. Deshalb wäre es falsch, sie lediglich auf die Religion zu reduzieren. |
Die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass muslimisches Leben in Nordrhein-Westfalen keine vorübergehende Erscheinung, sondern ein dauerhafter Bestandteil des Alltags geworden ist. Je mehr Muslime sich hier heimisch fühlen und auf Dauer einrichten, desto mehr werden sie auch in der Öffentlichkeit sichtbar, melden sich zu Wort und verlangen Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben. Dies führt bei manchen zu Irritationen und zu Ängsten, erscheinen doch die Muslime und ihre Religion fremd und rätselhaft, zum Teil bedrohlich. Terror und Gewalttaten, im Namen des Islam von selbsternannten "Glaubenskämpfern" verübt, erzeugen weitere Ängste vor der fremden Religion und ihren Anhängern. Islam und Muslime werden nicht selten mit Gefahr und Bedrohung verbunden, und von einigen werden Muslime sogar pauschal als Verfassungsfeinde und Terroristen hingestellt. Jede Moschee erscheint in dieser Wahrnehmung als "Ort einer verfassungsfeindlichen Parallelgesellschaft" oder als "Rekrutierungszentrum für islamistische Terroristen". Vor allem rechtsextremistische Kreise greifen solche Ängste in der Bevölkerung geschickt auf und vermischen ihre nationalistische und rassistische Weltanschauung mit negativen Vorurteilen gegen Muslime. Nur ein sehr kleiner Teil der Muslime in Deutschland sind Islamisten: von den ca. 4 Mio. hier lebenden Muslimen sind es schätzungsweise 34.700, also ein Prozent. Von diesen ist wiederum nur ein kleiner Teil gewaltbereit, wie das folgende Diagramm zeigt. Durch anklicken wird das Diagramm vergrößert Islamistische Themen und Vorstellungen, die unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung zuwiderlaufen, sind unbedingt von solchen Diskussionen zu unterscheiden, bei denen es um kulturelle und religiöse Unterschiede geht. In aktuellen Debatten um Muslime und den Islam in Deutschland werden diese verschiedenen Ebenen zum Teil nicht deutlich auseinandergehalten. Klar ist: Artikel 4 des Grundgesetzes garantiert die freie und ungestörte Religionsausübung für alle Menschen in Deutschland, so lange diese nicht die Grundwerte der demokratischen Ordnung beseitigen wollen. |
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